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Geschrieben von: Administrator   
Mittwoch, 07. Januar 2009 um 13:57 Uhr
 
Was ist zwirnen?
Warum zwirnen?
Zwirnarten
Nummerierungssysteme (Feinheit)
Umrechnungsformeln
Zwirnbezeichnung
Zwirnherstellung
Zwirnverfahren
Zwirndrehungstabellen
Drehungskoeffizient (alfa)
Weitere Literatur

 

Was ist zwirnen?

Zwirnen nennt man das Zusammendrehen von 2 oder mehr Garnen.

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Warum zwirnen?

Warum nimmt man nicht ein dickeres statt 2 zusammengedrehte Garne, was ja viel billiger wäre?

 Ein Zweifachzwirn hat je nach Konstruktion ungefähr 20% mehr Reisskraft und mehr Dehnung als die 2 einfachen Garne zusammen aber auch als das entsprechend dickere Einfachgarn.
 Der Zwirn und die daraus gefertigte Ware sind gleichmässiger.
 Der Zwirn ist bei Normaldrehung voluminöser, d.h. die daraus gefertigte Ware deckt besser.
 Mit Zwirn kann ein weicherer, angenehmerer Griff der Ware erreicht werden.
 Ware aus Zwirn ist strapazierfähiger und scheuerfester.
 Mit Zwirn erreicht man eine höhere Formstabilität des Endproduktes.
 Mit speziellen Zwirnen können ganz gezielte Effekte und Eigenschaften erreicht werden.
 Der Zwirn hat bessere Laufeigenschaften in der Weiterverarbeitung und erlaubt höhere Nutzeffekte.
 

Normaler Zwirn krängelt weniger als Einfachgarn (Abbau des inneren Drehmomentes).

 

 

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Zwirnarten

Ein "normaler" Zwirn (Popelinezwirn) besteht aus 2 Einfachgarnen, welche in Z-Richtung gedreht sind. Der Zwirn wird in S-Richtung gedreht. Die Zwirndrehung entspricht ungefähr der Einfachgarndrehung, sodass die Fasern schlussendlich wieder parallel zur Zwirnachse liegen.

 

Variationsmöglichkeiten bestehen in der Anzahl Gespinst- wie auch der Anzahl Zwirndrehungen. Damit können die meisten Eigenschaften der Ware erreicht werden. Für Webereien werden härtere, für Strickereien weichere Drehungen bevorzugt. Ein Nähfaden besteht normalerweise aus 3 S-gedrehten Einfachgarnen, welche in Z-Richtung zusammengedreht werden.

Dadurch entsteht ein reissfester Faden mit einem runden Querschnitt. Der Voile wird aus einem Gespinst mit Z-Drehung hergestellt. Das Spezielle ist aber, dass auch der Zwirn in gleicher Richtung, also Z gedreht wird. Dadurch ergibt sich ein harter Zwirn, der zum Krängeln neigt. Das Gewebe daraus wird transparent und kernig im Griff und wurde früher für Vorhänge verwendet. Um die Transparenz zu erhöhen und um leuchtendere Farben zu erzeugen, wird der fertige Zwirn gasiert, d.h. die abstehenden Fasern werden abgebrannt.

Als Crêpezwirne werden sehr hoch gedrehte Zwirne bezeichnet. Effektzwirne oder Fantasiezwirne sind auf Spezialmaschinen aus verschiedensten Komponenten hergestellte Zwirne mit Raupen- Schlingen- und andern Effekten. 

Spezialkonstruktionen sind Mehrfach- und Mehrstufenzwirne, welche aber in der Praxis nicht zuletzt aus preislichen Gründen wenig Bedeutung haben.

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Nummerierungssysteme (Feinheit)

 

Die Feinheit von Garnen wird im Baumwollbereich im wesentlichen mit 3 Systemen festgelegt:

 

 - metrische Nummer Nm
 - englische Nummer Ne
 - tex-System

 Nm und Ne sind Längennummern d.h. die Feinheit wird definiert durch die Länge, welche ein bestimmtes Gewicht ergibt: Nm sagt aus, welche Länge 1kg aufweist (z.B. Nm100: 1kg ist 100 km lang).Ne sagt aus, wie vielmal 840 Yards (1 Yard = 0.9144m) 1 engl. Pfund (0.45359kg) ergeben (z.B. Ne 60: 1 engl. Pfund ergibt 60*840=50'400 Yards (= 46,08576 km).Das offizielle tex-System, welches sich leider bis heute nicht durchgesetzt hat, ist eine Gewichtsnummerierung d. h. die Feinheit wird durch das Gewicht definiert, welches eine bestimmte Länge des Garnes hat.

tex sagt aus, wieviele gr 1 km eines Garnes wiegt (z.B. 10 tex: 1 km wiegt 10 gr)

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Umrechnungsformeln
Nm=1.69336*Ne Nm=1000/tex
Ne=0.590541*Nm Ne=590.541/tex
tex=1000/Nm tex=590.541/Ne

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Zwirnbezeichnung

 

Die Zwirnbezeichnung wird am Besten an Beispielen erklärt:

 
Nm 100/2 z1000 / S800 (abgekürzt Nm100/2)
Nm=metrisches Nummerierungssystem
100=Garnnummer des Einfachgarnes (100 km/kg)
/2=es ist ein 2-fach Zwirn ( aus zwei Komponenten)
z1000=das Einfachgarn ist mit 1000 Drehungen pro m in Z-Richtung gedreht
S800=der Zwirn wird mit 800 Drehungen pro m in S-Richtung gedreht
 
Ne 60/2 z25 / S20 (abgekürzt Ne 60/2)
Ne=englisches Nummerierungssystem
60=Garnnummer des Einfachgarnes
/2=es ist ein 2-fach Zwirn ( aus zwei Komponenten)
z25=das Einfachgarn ist mit 25 Drehungen pro inch in Z-Richtung gedreht
S20=der Zwirn ist mit 20 Drehungen pro inch in S-Richtung gedreht
 
20 tex z600 x 2 S400 (abgekürzt 20 tex x 2)
20tex=es wird das tex-System verwendet; die Nummer beträgt 20 (20gr/km)
z600=das Einfachgarn ist mit 600 Drehungen pro m in Z-Richtung gesponnen
x2=es handelt sich um einen 2-fach Zwirn
S400=der Zwirn ist mit 400 Drehungen pro m in S-Richtung gedreht

 

Zwirnherstellung

 

Das Zwirnen und Nachbehandeln erfolgt in mehreren Stufen. Zuerst werden 2 (oder mehr) Fäden auf einer Fachspule vereinigt.

Fachen

 

Bei groben Zwirnen kann dieser Vorgang direkt auf der Zwirnmaschine vorgenommen werden. Danach folgt der eigentliche Zwirnvorgang, indem die beiden (oder mehr) Fäden zusammengedreht werden.

 

 

 Zwirnen
 
Zur Erzeugung von mehr Glanz und zur Vermeidung von Pilling können dem Zwirn im nachfolgenden Prozess die abstehenden Fasern abgebrannt werden.
Sengen

Zum Schluss kann eine Umspulung zum Entstauben, zum Auftrag von Paraffin oder einfach zum Erzeugen des nötigen Spulenformats erfolgen.  Eine Spezialität der Firma Bäumlin AG ist die Zusammenfassung von Fach- und Sengprozess. Dadurch ist es möglich praktisch staubfreie Zwirne zu erzeugen.

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Zwirnverfahren

 

 

 Im Baumwollbereich sind hauptsächlich 3 Zwirnverfahren gebräuchlich:

 Doppeldrahtzwirnen
 Stufenzwirnen/Tritec
 Ringzwirnen

 Das Doppeldrahtzwirnen ist in unseren Bereichen am meisten verbreitet. Bei diesem Verfahren wird dem Zwirn mit 1 Spindelumdrehung 2 Zwirndrehungen erteilt.

 
Doppeldraht-Spindelt

 
Doppeldraht-Maschine

 

Das Stufenzwirn- und Tritecverfahren sind vor allem im gröberen Bereich wirtschaftlich und kommen in Spezialgebieten zum Einsatz.

 

Trite
Das Ringzwirnverfahren hat nur noch im Effektzwirnbereich eine gewisse Bedeutung. Es wäre zwar sehr wirtschaftlich, wird aber aus Qualitätsgründen (zu viele Knoten im Zwirn!) kaum mehr eingesetzt.

Sollte es gelingen, die Knoten durch einwandfreie Zwirnverbindungen (Spleisse) zu ersetzen, wäre eine Renaissance der Ringzwirnmaschinen nicht auszuschliessen.

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Zwirndrehungstabellen (unverbindliche Richtwerte)

 

 

 

 
NmWebereiStrickerei  NeWebereiStrickerei 
T/mT/mtex T/iT/mT/iT/mtex
30/247044033.3 x2 20/212.750011.746129.5x2
40/254051025.0x2 30/215.661414.456719.7x2
50/261057020.0x2 40/218.070916.665414.8x2
60/267062016.7x2 50/220.179118.673211.8x2
70/272067014.3x2 60/222.086620.37999.8x2
80/277072012.5x2 70/223.893721.98628.4x2
90/282076011.1x2 80/225.4100023.59257.4x2
100/286080010.0x2 90/227.0106324.99806.6x2
110/29008409.1x2 100/228.4111826.210315.9x2
120/29408808.3x2 110/229.8117327.510835.4x2
130/29809107.7x2 120/231.1122428.711304.9x2
140/21'0209507.1x2 130/232.4127629.911774.5x2
150/21'0509806.7x2 140/233.6132331.012204.2x2
160/21'0901'0106.3x2 150/234.8137032.112643.9x2
170/21'1201'0405.9x2 160/236.0141733.213073.7x2
180/21'1501'0705.6x2 170/237.1146134.213463.5x2
190/21'1901'1005.3x2 180/238.1150035.213863.3x2
200/21'2201'1305.0x2       
210/21'2501'1604.8x2       
220/21'2801'1904.5x2       
230/21'3001'2104.3x2       
240/21'3301'2404.2x2       
250/21'3601'2604.0x2       
260/21'3901'2903.8x2       
270/21'4101'3103.7x2       
280/21'4401'3403.6x2       
290/21'4601'3603.4x2       
300/21'4901'3903.3x2       

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Drehungskoeffizient (alfa)

 

 

 Die Zwirndrehung hängt mit der Zwirnnummer zusammen. Der Drehungskoeffizient (alfa) bestimmt die Härte des Zwirns.Die Formeln in den entsprechenden Nummerierungssystemen lauten:


tex-System
 
NmNe

alfa tex = T * tex½
 
alfa m = T / Nm½alfa e = T / Ne½
T = Zwirndrehungen pro m
tex = Nummer in tex
T = Zwirndrehungen pro m
Nm = metrische Zwirnnummer
T = Zwirndrehungen pro inch
Ne = englische Zwirnnummer
 

 

Beispiele von Drehungskoeffizienten:

 
 weichmittelhart
alfa tex310038005700
alfa m100125180
alfa e3.2546
 

 

Umrechnung:

 alfa tex =   alfa m * 31.6alfa tex =   alfa e * 957alfa m =   alfa e * 30.3   

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Literatur über Zwirnen

- Simon/Hübner, Vorbereitungstechnik für die Weberei, Wirkerei und Strickerei
- Löcker, Oellers und Lindemann, Technische Berechnungen, Spinnerei Weberei Wirkerei Strickerei

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, 25. September 2009 um 14:01 Uhr